Es gibt Bücher, die man in einem Zug durchlesen muss – gekonnt inszenierte Krimis etwa, Pageturner von Stephen King, oder auch Werke von Autoren, die den Wahnsinn des Alltags durchleuchten.
Und dann gibt es Bücher, die man häppchenweise verzehren sollte, jeden Tag ein klein wenig davon naschen. Zur zweiteren Kategorie zählen die Tagebücher von Samuel Pepys.
Samuel Pepys [pi:ps], Staatssekretär im englischen Marineamt, verfasst seine berühmten Aufzeichnungen in den Jahren 1660 bis 1669. Penibel verzeichnet Pepys tägliche Vorkommnisse. Als einer der ersten Chronisten jedoch trägt er in seine Tagebücher nicht nur offizielle, seine Arbeit betreffende, sondern auch persönliche Begebenheiten ein. Dadurch werden die Aufzeichnungen zu einem grandiosen Spiegelbild der Zeit und eines erfüllten Lebens.
Seit kurzem sind, Dank des Haffmans & Tolkemitt-Verlags, die Tagebücher auch auf Deutsch ungekürzt nachzulesen. Neun exzellent gestaltete Bände (und ein ‘Companion’, der die Tagebücher mit einer kurz gefassten Chronik, einem Personenverzeichnis und Aufsätzen zu Pepys ergänzt) warten auf geneigte Leser.
Wie anfangs erwähnt bietet sich eine Lektüre an, die Tag für Tag den Einträgen Pepys’ nachspürt, dem trockenen Humor, der in vielen Passagen steckt, den Intrigen und Liebschaften, den Skandalen, Krankheiten, Unglücksfällen. Nicht umsonst spricht der Literaturkritiker Denis Scheck von einem ‘WikiLeaks des 17. Jahrhunderts’. Langeweile kommt trotz des gewaltigen Umfangs (an die 3000 Seiten) nie auf, zu vielfältig und aus dem prallen Leben gegriffen sind Pepys’ Einträge.
Erhältlich ist das Wunderwerk bei Zweitausendeins.
Dringende Kaufempfehlung.
Einen guten Eindruck von der Fülle, die die Tagebücher liefern, gibt auch die Diskussion (plus kurzer Lesung) im Schweizer Literaturclub.
Ergänzung: Wer mag, findet tägliche Tagebucheinträge auf Englisch im Pepysdiary.
Abschließend darf ein Zitat natürlich nicht fehlen:
… ging ich nach Charing Cross, um der Hinrichtung von Generalmajor Harrison beizuwohnen, der gehängt, ausgeweidet und gevierteilt werden sollte, was auch geschah – wobei der Generalmajor erstaunlicherweise geradezu heiter wirkte. Er wurde sofort abgeschnitten und sein Kopf und sein Herz der Menge gezeigt, worauf viele Jubelrufe ertönten.
13. Okt. 1660







Kommt mal auf die Weihnachtswunschliste – Danke für den Tipp.